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Nachholbedarf der Digital Natives


Ein paar Gedanken zu der von Tim Krischak in seinem Blog beschriebenen Wahrnehmung.

Ich möchte seine Einschätzung hier einmal aufnehmen und mit meiner Sicht auf Unternehmen ergänzen.

Soziale Netzwerke aller möglichen Ausprägungen sind aus meiner Sicht nur GUI für die verdeckt dahinter werkelnden Mehrwertketten und Prozesse auf Anbieterseite. Soziale Medien sind einfach kein Selbstzweck um andere Menschen zu beglücken, sondern sind Businessstrategie! Manche Anwender wissen um diese Tatsache, andere nicht.

Im Kern gibt es aus meiner Sicht zwei große Gruppen, die sich wiederum in Nutzer und Verweigerer unterteilen. Und wir haben im Zeitalter der sozialen Netze noch immer die klassische Aufteilung Konsument und Anbieter. Für mich begrifflich und auch in der Zielsetzung vielleicht auch zu unterscheiden in Privat- und Businessanwender.

Der Privatanwender

Viele private Anwender nutzen dieses GUI der sozialen Netzwerke, weil es Hip ist und “alle” dabei sind. Sie nutzen die Möglichkeiten der Netze für Kommunikation oder die Darstellung der eigenen Befindlichkeit. Oft wird leider völlig unreflektiert kommuniziert, bei andern Anwendern aber sehr wohlüberlegt.
Eine andere große Gruppe verweigert sich komplett, weil sie Angst vor nicht genau abzuschätzenden Aktivitäten in der Ebene hinter dem GUI haben.
Das erklärt für mich die von Tim Krischak wahrgenommene Divergenz in seinem studentischen Seminar. Ein “Digital Native” kommt also beinahe zwangsläufig in verschiedenen Ausprägungen daher.

Der Businessanwender

In diese Gruppe fallen für mich Anbieter und damit meist Unternehmen. Diese setzen in der Business Intelligence beim Controlling oft die gleichen statistischen Möglichkeiten wie der Betreiber eines sozialen Netzes ein und wissen um die Möglickeiten und Risiken.
Sie wissen daher genau darum, dass man je nach Fragestellung in der BI passende Grafiken präsentieren kann. Die manipulative Kraft ist den Entscheidern in der Businesswelt also klar.  Kurz die Frage an den Cube umgebaut und schon kippt die Auswertung in die gewünschte Richtung. Abfragereihung und Filterung sind mächtige Methoden.

In sozialen Netzen gibt es für Businessanwender noch ein weiteres Problem: Sie kennen die Datenbasis nicht. Sie können die vom Betreiber zur Verfügung gestellten Auswertungen nicht bewerten. Sind diese gefiltert? Stimmen die Zahlen? Schönt man nicht vielleicht etwas, so wie früher verschiedene Definitionen von Page Impressions üblich waren? Bei eigenen Daten kann man Plausibilitätskontrollen machen. Aber das fehlt komplett und bildet ein Risiko für unternehmerische Entscheidungen. Welcher Controller will vor Geschäftsführung oder Aufsichtsrat gerne argumentieren, dass er die Zahlen unreflektiert von einem Dritten übernommen hat, ohne dessen Methoden zu kennen oder zu hinterfragen?

Soziale Netzwerke werden sich aus meiner Sicht in der Geschäftswelt erst in der Breite etablieren, wenn dieses “Data Warehouse der persönlichen Eitelkeit” transparent dargelegt wird und die Struktur der Daten klar zu übersehen ist. Denn erst dann lassen sich investierte Aufwändungen auch in Zahlen bemessen und betriebswirtschaftlich in einer Kosten/Nutzen-Analyse auswerten.

Das ist übrigens etwas, dass die “Digital Natives” auf Anbieterseite der Netze verstehen müssen! Da sehe ich auch deutlichen Nachholbedarf.